2012:

 

 

 

 

03. 02. - 02. 03. 2012

"Sinnlose Tätigkeiten mit großer Sorgfalt ausgeführt"

Videoarbeiten von Gabrielle Zimmermann

 

2009 beginnt die Videokünstlerin Gabrielle Zimmermann (gz) ihre „Versuchsreihe“ mit dem scheinbar widersprüchlichen Titel „Sinnlose Tätigkeiten mit großer Sorgfalt ausgeführt“. In laborartigen Situationen werden akribisch eigenwillige Versuchsreihen durchgeführt. Verpackungsmaterialien, wie Luftpolster und Luftpolsterfolien werden aufgeschnitten, perforiert, penetriert, zerstört und manipuliert - auf sehr unterschiedliche Art und Weise (mit Skalpell, Zange, Nadel,...) wird Luft entzogen oder werden Flüssigkeiten injiziert …


Den dadurch entstehenden Bildkompositionen wohnt durchaus eine formale Ästhetik inne. So steht die transparente Oberflächenbeschaffenheit des Plastiks und dessen „ätherische“ Verletzlichkeit im Kontrast zu dem metallenen klinischen Besteck. So werden in Szene Nr. 6b der „Versuchsreihe“ geduldig die endlos scheinenden Luftpolsterreihen einer Folienbahn mit dem Finger zerdrückt (dieser Vorgang existiert auch in Echtzeit, ca. 1Std., wurde aber mit Zeitraffungen durch Überblendungen gekürzt). Die durch das Zerplatzen der Luftpolster und dem Rascheln der Folie entstehende
„Musik“ begleitet das „Ballett“ aus Fingern und Folienbewegung.


So „sinnlos“ und unbeschwert, wie der Titel den Betrachter zunächst glauben macht, ist das ganze Unterfangen nicht; es beinhaltet vielmehr ein Vielfaches an Denkansätzen, welche völlig unterschiedliche Diskurse anregen können: Sei es zum Einen auf konsumkritischer, umweltpolitischer Ebene, die Frage nach all dem „Wohlstandsmüll“, der allein durch Verpackungsmaterial entsteht oder nach dem Anachronismus diverser Datenträger, welche gewissermaßen auch das Ende einer „analogen Datenepoche“ markieren (1); zum Anderen Assoziationen an meditative Ansätze und Tätigkeiten, z.B. im Buddhismus, insbesondere Zen, aber auch an Camus’ „Mythos von Sisyphos“ (2) und der damit einhergehenden Frage nach Absurdität und Existenz.


Diese Arbeitsreihe, welche auch immer als solche betrachtet und gezeigt werden soll, setzt sich auf minimalistische und zugleich humorvolle Weise mit den großen „Sinnfragen“ auseinander. Was ist also sinnvoll?... was ist sinnlos? Diese Frage wird ironisch in den Raum gestellt und lässt Platz für die individuellen Gedankengänge des Betrachters. Wenn dadurch Menschen zum Schmunzeln oder Kopfschütteln gebracht werden oder gar das Verfolgen eines Gedankenganges bewirkt wird, ist es per se schon nicht mehr sinnlos. Auch das Verpackungsmaterial, "sinnloser Müll", erhält so noch eine Verwendung, einen neuen Sinn.


Wenn der Betrachter zum Nachdenken über Sinn und Unsinn angeregt wird ... ist der „Sinn“ der „sinnlosen Tätigkeiten“ für gz schon erfüllt.

(1) Werkprozesse mit den Bändern alter Musik- und Videokassetten und alten Schallplatten sind in Arbeit
(2) «Der Mythos von Sisyphos» kreist um die zentrale Frage, die Grundfrage auch aller Philosophie, «ob das Leben die Mühe, gelebt zu werden, lohnt oder nicht». Sisyphos steht für den Menschen, der sich seiner wahren Stellung in der Welt und das heißt: seiner absurden Situation bewusst ist. Das «Absurde» bezeichnet die Diskrepanz

zwischen dem Menschen und seiner Sehnsucht nach Sinn und Verstehen und dem Schweigen der Welt, ihrer Undurchdringlichkeit und Gleichgültigkeit.

Mit dieser Erfahrung stellt Camus die Forderung an den Menschen, dieses Leben und diese Situation ohne Illusionen auszuhalten, aller Transzendenz und allen Trostes zu entraten und eine sich ganz im Diesseits ihren «Sinn» gebende Existenz auf sich zu nehmen, deren «Reich ganz von dieser Welt ist». Allein diese geistige Haltung, so Camus, verleiht dem Menschen in seiner absurden Situation Würde und Wert: «Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.»


Gabrielle Zimmermann (gz) hat Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte studiert (M.A. bei Tilman Osterwold und Beat Wyss), Bereits gegen Ende des Studiums und direkt danach hat gz im Frankfurter Kunstverein (unter der Leitung von Nicolaus Schafhausen) gearbeitet, bis sie sich 2001 gegen eine Karriere im Ausstellungsvermittlungsbereich und doch für die freie Kunst entschied. Seitdem ist die Autodidaktin als freie Künstlerin in Frankfurt, Stuttgart und anderswo tätig.


Mehr Informationen unter: www.hirnzucken.de

 

Eröffnung am Freitag, 03. 02. 2012 ab 20 h

Showdown am Freitag, 02. 03. 2012 ab 20 h

 

 

 

 

 

30. 03. - 20. 04. 2012

Mark Köschinger

Objekte, Skulpturen, Installation, Fotografien

 

Packend, erhaben, würdig, sinnsuchend, narzisstisch, sakral und erbarmungslos:
„Da ist so viel in mir, das raus muss“, erklärt Marc Köschinger. Fast zwingend, dass er sich freiwillig auf die Farben schwarz und Weiß beschränkt. „Müsste ich meine Arbeiten auch noch fassen, würde ich womöglich verrückt.“


Der Künstler spricht solche sätze mit sanfter stimme, gelassen, mit einem Anflug von Ironie. Doch seine Arbeiten offenbaren die Dämonen, die hier am Werke sind.
Die kleinen Skulpturen sind im besten sinne morbide, reif, in ihrer Deutungsvielfalt nahezu überreif und wirken in ihrer schutzlosen schonungslosigkeit erbarmungslos direkt auf den Betrachter. sie sind erhabene Relikte, Zitate der alten Meister Bosch und Grunewald und gleichzeitig eine vollkommen neue Interpretation von Leben und Tod.


Bewusste Auslassungen wandeln sich unvermittelt in einen Eindruck von versteckter Pracht, liebenswerte Details wie die einen Kopf umschwirrenden Schmetterlinge in Todesahnung. „Schmetterlinge sind, was viele nicht wissen, Aasfresser“, erklärt Köschinger, für ihn sind sie Seelenträger, den Ba-Vögeln der Ägypter und ihren christlich-barocken Nachfolgern, den feistfröhlichen Putten nah verwandt.


Das Aufblättern der sinnschichten eines jeden Werkes weckt manches Amüsement, melancholisches Verständnis, doch dann entwickeln Papier, Pappmache und Metall in Köschingers Händen eine suggestiv- grausame Sogkraft und nicht jeder Betrachter hält dem Blick in diese Spiegelbilder stand, führen sie doch am Ende ins eigene selbst, ins Erkennen vom eigenen sterben und Vergehen,
dieser größten „narzisstischen Kränkung“ der Menschheit.

D a n i e l a  K l o t z
Publizistin
März 2010

 


Mehr Informationen unter: www.koeschinger.de

 

Eröffnung am Freitag, 30. 03. 2012 ab 20 h

Showdown am Freitag, 20. 04. 2012 ab 20 h

 

 

 

 

 

04. 05. - 01. 06. 2012

Tessa Wolkersdorfer

"Waldwäsche"

Malerei

 

„Das Absurde kann jeden beliebigen Menschen an jeder beliebigen Straßenecke anspringen.“ Albert Camus

 

Die Bilderfindungen von Tessa Wolkersdorfer

Das Interesse am Absurden und Bizarren, sowie die intensive Leidenschaft für die Malerei, sind die wesentlichen Quellen, aus der sich die Kunst von Tessa Wolkersdorfer speist. So lautet der Titel eines ihrer Schlüsselbilder aus dem Jahr 2009 "Surrealistisches Bild Nr.1". Sie knüpft damit an die Tradition des Surrealismus an, eine der prägenden Bewegungen der Moderne, die gegenwärtig auch in der bildenden Kunst von zahlreichen Zeitgenossen aufs Neue wiederentdeckt wird.

 

Dennoch: Die bizarre Bildwirklichkeit begegnet uns bei Wolkersdorfer weder als erkenntniserhellendes Mysterium wie einst bei René Magritte, noch als grandiose Visionen wie bei Max Ernst, auch nicht als komplexe, rätselhafte Geschichte wie bei Neo Rauch, sondern als eine ganz ureigene, bodenständige, meist auf wenige Bildelemente reduzierte Bildsprache. Und diese Bildsprache lässt sich nicht so leicht in Worte fassen, will man ihr gerecht werden.

 

Charakteristisch scheint, dass Tessa Wolkersdorfer ihre Bildwelten oft aus Elementen und Motiven einer scheinbar vertrauten, alltäglichen Umgebung baut. Dabei bevorzugt sie farbige Tusche und extreme Formate: Große oder kleine. Mittelmaß ist nicht ihre Sache. Eine erste Grundidee bildet den Ausgangspunkt zum Kampf ums gute Bild. Die Konzentration auf den Prozess der Bildfindung und den Prozess des Malens spielt eine wesentliche Rolle. Es wird gemalt, übermalt und transformiert bis hin zum stimmigen Resultat. Dann tummeln sich Schafe und Kugeln, Kissen und Lebkuchen, Affen und Schlauchboot gemeinsam auf der Leinwand.

 

Diese Simultanität heterogener Wirklichkeitsebenen verweist wiederum auf surrealistische Bildstrategien und eine entsprechende Methodik, die bewusst angewandt wird. Erinnert sei in diesem Kontext an Lautréamont und sein legendäres Zitat aus den „Gesängen des Maldoror“, das den Surrealisten als programmatisches Leitbild diente: […] schön […] wie die zufällige Begegnung eines Regenschirmes mit einer Nähmaschine auf dem Seziertisch.“ Mit Blick auf Wolkerdorfers Gemälde würde man dies vielleicht so formulieren: „Schön wie eine weiße Katze auf einem schokoladenbraunen Haupt.“ oder: „Schön wie ein Hirschkopf in einer Waschmachine auf dem Waldboden“.

 

Alle Gedanken und Assoziationen führen den Betrachter entweder in das Unterbewusste oder ad absurdum und somit in eine erweiterte oder in eine existentielle Form der Auseinandersetzung mit Wirklichkeit. Das verblüfft, fasziniert und fesselt zugleich. Dadurch gelingt Tessa Wolkersdorfer das Kunststück, dass ihre Gemälde die eigene Existenz mit einer so offensichtlichen Selbstverständlichkeit und ausgeprägten Präsenz so spürbar behaupten. […]


(Eva Schickler, Kunsthistorikerin M.A).

 

Eröffnung am Freitag, 04. 05. 2012 ab 20 h

Showdown am Freitag, 01. 06. 2012 ab 20 h

 

 

 

 

 

22. 06. - 20. 07. 2012

"Alles muss raus"


Mitgliederausstellung


mit

Marinus van Aalst
Monika Ehret
Hartmut Hörmann
Bernard Hoffmann
Matthias Klein
Dala Lange
Hanns-Michael Rupprechter
Peter Schmidt
Julia Schubart
Manfred Unterweger (Undi +i)
Gabrielle Zimmermann
Jim Zimmermann

 

Die Mitgliederausstellung widmet sich in unterschiedlichsten Ansätzen dem Thema "Alles muss raus", wobei es sich hier nicht um einen thematischen Bezug auf Sperrmüll oder Sommerschlussverkauf handelt, sondern emotionale Aspekte im Fokus stehen ...

 

 

Eröffnung am 22. 06. 2012 ab 20 Uhr

Showdown am 20. 07. 2012 ab 20 Uhr

 

 

 

 

14. 09. - 12. 10. 2012

Pfrommer & Subke

"Deliziös"

 

„Als Koch muss man Phantasie haben.
Und man muss improvisieren können.“
(Paul Bocuse)

 

„Dem Gastrosoph ist nichts zu doof.“
(Graf Boonekamp)

 

„Hauptsach der Ranzen spannt.“
(Volksmund)

 

Dass Koch- und bildende Kunst prächtig miteinander harmonieren, wissen wir nicht erst seit Ferran Adriàs Documentateilnahme 2007 oder der Einrichtung einer Kochwerkstatt an der Frankfurter Städelschule im Jahr 1978.

 

Die ihrerseits besonders prächtig miteinander harmonierenden Stuttgarter Maler Hans Pfrommer und Armin Subke springen nun spät, aber keinesfalls zu spät, auf diesen fahrenden Zug auf, wenn sie im Rahmen ihrer zweiten Ausstellung bei Zero Arts nicht allein ihre bestens bewährten malerischen Leckerbissen voll appetitlicher Farbigkeit, geschmackvoller Kompositionen, delikater Inhalte und köstlichem Humor präsentieren, sondern im Rahmen der Ausstellungseröffnung am 14. Juli ab 20 Uhr einen Kompaktkochkurs (Kunst als Dienstleistung!) anbieten werden, in dem regionale Standards mit Einflüssen der herrlich schweren Futurefunkfood-Küche eine wunderbare kulinarische Liaison eingehen.

 

Die Vernissagengäste werden also sowohl die Zubereitung extravaganter Speisen, bei denen das Auge noch am ehesten mitessen möchte, als auch die wahrlich deliziösen Gemälde und Grafiken, die nach mehr schmecken, erleben können – eine synästhetische Orgie, die Sie sich mal auf der Zunge zergehen lassen müssen.

 

 

Eröffnung am Freitag, 14. 09. 2012 ab 20 h (mit Kochseminar)

Showdown am Freitag, 12. 10. 2012 ab 20 h

 

 

 

 

 

02. 11. - 30. 11. 2012

Johannes Schlichting

"ANHÖRUNG"

Musik und Bilder

 

Unter dem Titel 'Anhörung' zeigt der Kunstverein Zero Arts eine Auswahl von Bildern und musikalischen Collagen von Johannes Schlichting.  Im Zentrum der Ausstellung steht die Präsentation der Bilderfolge DECORUM, einer Arbeit, welche die Bild- und Musikcollage miteinander verbindet. Die Synchronisierung einer Folge von fünfzehn einzelnen Bildern - selbst Mischungen aus Fotografien und Filmstills - mit einer zwanzigminütigen Tonspur wird projiziert und erhält filmischen Charakter. Die Tonspur besteht aus Musikfragmenten verschiedener, meist spätromantischer Herkunft und gibt eine Reihenfolge und den Rhythmus der Bilder sowie die Länge ihrer Überblendungen vor. Entstanden ist eine Arbeit, welche – vor allem in ihrer projizierten Form - bildnerische und musikalische Konzepte nahtlos ineinander übergehen lässt. Neben DECORUM sind andere Bilder und musikalische Collagen versammelt, welche auf eine solche Synchronisierung verzichten und dennoch gleichermaßen gesehen und gehört werden können. Zeit- und Bildbegriffe sind dabei vom Ausstellungsbesucher frei zu vertauschen.

 

Eröffnung am Freitag, 02. 11. 2012 ab 20 h

Showdown am Freitag, 30. 11. 2012 ab 20 h